Ischias Schmerzen? Diese 3 Übungen können helfen!
Kategorie: Rücken
Ischias Schmerzen sind für viele erstmal einfach Schmerzen, die ins Bein ziehen. Genau da fängt aber oft schon das Missverständnis an. Denn hinter dem Begriff Ischias steckt nicht automatisch ein Problem mit dem Ischiasnerv selbst. Viel häufiger ist ein Nerv im unteren Rücken gereizt. Die gute Nachricht: In vielen Fällen lassen sich Ischias Beschwerden mit den richtigen Bewegungen beruhigen, und die Prognose ist meist deutlich besser, als viele denken.
Hier bekommst du drei einfache Übungen, die bei ausstrahlenden Beschwerden ins Bein helfen können, plus die wichtigsten Hintergründe dazu: Was Ischias eigentlich bedeutet, warum der Piriformis oft zu Unrecht beschuldigt wird und weshalb Dehnen bei echten Nervenschmerzen manchmal genau das Falsche ist.
Inhaltsverzeichnis
- Was mit Ischias Schmerzen eigentlich gemeint ist
- Die häufigste Ursache hinter Ischias Beschwerden
- Übung 1: Platz schaffen für deine Nerven
- Übung 2: Ausstrahlende Ischias Schmerzen reduzieren
- Übung 3: Nerven wieder geschmeidig bewegen
- Welche Übung ist bei Ischias die beste?
- Warum der Piriformis bei Ischias oft zu Unrecht beschuldigt wird
- Bei echten Nervenschmerzen: lieber nicht wild dehnen
- Welche Bewegungen du bei Ischias besser erstmal meidest
- Kann man Ischias Schmerzen vorbeugen?
- Woran du erkennst, dass du auf dem richtigen Weg bist
- Fazit: Bei Ischias zählt nicht die perfekte Übung, sondern die richtige Reaktion
Was mit Ischias Schmerzen eigentlich gemeint ist
Der Begriff Ischias wird oft als Sammelbegriff verwendet für Schmerzen, die vom Rücken oder Gesäß ins Bein ausstrahlen. Manchmal kommen Rückenschmerzen dazu, manchmal nicht. Das Problem dabei: Viele denken dann sofort an den Ischiasnerv als Ursache. In der Praxis ist das aber meistens nicht der eigentliche Auslöser.
Der Ischiasnerv zieht zwar durch das Bein, entsteht aber aus mehreren Nerven, die aus dem unteren Rückenmark kommen. Deshalb ist es in vielen Fällen wahrscheinlicher, dass einer dieser Nerven im Bereich der Lendenwirbelsäule gereizt ist.
Typische Beschwerden bei solchen Nervenreizungen können sein:
- brennende Schmerzen
- elektrisierende oder stechende Beschwerden
- scharfer Schmerzverlauf ins Bein
- Taubheitsgefühle oder Gefühlsverlust
- weniger Kraft im Bein
- abgeschwächte Reflexe
Oft gibt es keinen glasklaren Einzelfall, sondern eher einen Mix aus verschiedenen Symptomen.
Die häufigste Ursache hinter Ischias Beschwerden
Wenn die Beschwerden wirbelsäulenbezogen sind, stecken häufig Bandscheibenvorwölbungen oder Bandscheibenvorfälle dahinter. Das klingt erstmal beängstigend, ist aber kein Grund zur Panik.
Ein Bandscheibenvorfall bedeutet nicht automatisch:
- dass sofort operiert werden muss
- dass der Rücken kaputt ist
- dass man dauerhaft eingeschränkt bleibt
Im Gegenteil: Die Prognose ist in den allermeisten Fällen gut. Viele Bandscheibenvorfälle heilen von selbst aus. Und bei einem großen Teil der Betroffenen verbessern sich die Beschwerden innerhalb von 6 bis 12 Wochen bereits deutlich.
Wichtig ist dabei auch der Gedanke: Deine Bandscheiben sind nicht fragil, sondern robust.
Übung 1: Platz schaffen für deine Nerven
Die erste Übung zielt darauf ab, den Raum an der Seite der Wirbelsäule etwas zu öffnen. Dort treten die Nerven aus. Wenn du hier Druck rausnehmen kannst, kann das Ischias Schmerzen manchmal spürbar beruhigen.

So führst du die Übung aus
- Lege dich auf dein Bett oder auf die Couch.
- Das Bein, auf der Seite der Ausstrahlung, liegt oben.
- Platziere ein Handtuch in deine Flanke, also etwas oberhalb des Beckens.
- Lege dich auf die Seite.
- Hüfte und Knie sind etwa in 90 Grad gebeugt.
- Lass nun deine Knie nach unten hängen.
- Halte die Position für 20 bis 60 Sekunden.
Wenn diese Position im Moment zu anstrengend ist, kannst du die Beine einfach auf der Unterlage lassen. Dann ist die Öffnung etwas sanfter, aber oft trotzdem hilfreich.
Setz dich danach wieder langsam auf und spüre kurz nach: Fühlt es sich besser an? Wenn ja, kannst du diese Übung einmal pro Tag nutzen. Wenn nicht, dann ist das aktuell vielleicht noch nicht deine Übung. In dem Fall ein paar Tage warten und später nochmal testen.
Übung 2: Ausstrahlende Ischias Schmerzen reduzieren
Diese Übung ist besonders interessant, weil sie bei einem Teil der Betroffenen dafür sorgen kann, dass sich die Beschwerden im Bein zurückziehen. Das heißt: Statt bis ganz nach unten auszustrahlen, gehen sie vielleicht nur noch bis zur Wade oder nur bis zum Oberschenkel. Das ist oft ein gutes Zeichen.

So funktioniert die Übung
- Lege dich auf den Bauch, entweder auf dem Bett, der Couch oder dem Boden.
- Starte auf deinen Unterarmen.
- Drücke dich nun sanft nach oben, sodass dein unterer Rücken in Streckung kommt und ein leichtes Hohlkreuz entsteht.
- Bewege dich kontrolliert wieder zurück.
- Wiederhole das Ganze 10 bis 15 Mal.
Wichtig: Taste dich langsam heran. Nicht mit Gewalt, nicht mit Ehrgeiz. Entscheidend ist nicht, wie weit du hochkommst, sondern wie dein Körper darauf reagiert.
Wenn du merkst, dass deine Ischias Schmerzen danach weniger weit ins Bein ausstrahlen, dann ist das ein sehr gutes Signal. In diesem Fall kannst du die Übung ein- bis zweimal täglich mit 10 bis 15 Wiederholungen in deinen Alltag einbauen.
Übung 3: Nerven wieder geschmeidig bewegen
Die dritte Übung ist keine klassische Dehnung. Es geht hier darum, den gereizten Nerv sanft in seinem Verlauf zu bewegen, also ihn wieder an Bewegung zu gewöhnen, ohne ihn aggressiv auf Zug zu bringen.

Variante in Seitenlage
- Lege dich auf die Seite.
- Klemme ein Handtuch zwischen deine Knie.
- Das Bein mit der Ausstrahlung liegt oben.
- Strecke dieses obere Bein langsam aus.
- Nimm gleichzeitig den Kopf in den Nacken und schau leicht nach oben.
- Dann kommt die Umkehrbewegung: Beuge das Knie wieder und nimm das Kinn Richtung Brustbein.
- Wiederhole das Ganze 10 Mal in ruhigem Tempo.
Variante im Sitzen
Wenn dir die Seitenlage nicht liegt, kannst du dieselbe Idee auch im Sitzen umsetzen.

- Setze dich auf einen Stuhl.
- Strecke das betroffene Bein langsam aus.
- Nimm gleichzeitig den Kopf in den Nacken und richte den Blick nach oben.
- Dann die Umkehrbewegung: Bein wieder beugen und das Kinn auf die Brust nehmen.
- Auch hier langsam und kontrolliert arbeiten.
Diese Form der Nervenmobilisation kann helfen, wenn ein Nerv empfindlich geworden ist und auf sanfte Bewegung gut reagiert.
Welche Übung ist bei Ischias die beste?
Die ehrliche Antwort: Es gibt nicht die eine magische Übung gegen Ischias.
Es gibt keine Patentlösung, die für alle gleich gut funktioniert. Der sinnvollste Ansatz ist, die Reaktion deines Körpers zu beobachten:
- Wird der Schmerz insgesamt weniger?
- Zieht er weniger weit ins Bein?
- Fühlst du dich nach der Übung beweglicher oder entspannter?
- Oder verschlimmern sich die Beschwerden?
Wenn eine Übung deine typischen Ischias Beschwerden vorübergehend lindert, ist das ein gutes Zeichen. Dann lohnt es sich, genau diese Bewegung regelmäßig einzubauen.
Zusätzlich gilt: Bleib so aktiv wie möglich. Wenn Gehen oder Spazieren dir guttut, dann nutze das. Ein normaler Alltag ist in vielen Fällen hilfreicher als ständiges Schonverhalten.
Warum der Piriformis bei Ischias oft zu Unrecht beschuldigt wird
Rund um Ischias Schmerzen taucht immer wieder dieselbe Erklärung auf: Der Piriformismuskel im Gesäß drückt den Ischiasnerv ab. Das klingt plausibel, hat sich aber durch viele wissenschaftliche Untersuchungen in den meisten Fällen nicht bestätigt.
Natürlich gibt es seltene Ausnahmen. Aber in der großen Mehrheit der Fälle liegt die Ursache nicht darin, dass dein Piriformis den Nerv einklemmt.
Deshalb ist es meist keine gute Idee, den Gesäßbereich stundenlang zu dehnen oder aggressiv mit Faszienrolle und Ball zu bearbeiten, in der Hoffnung, die Ischias Schmerzen damit zu lösen.
Im ungünstigsten Fall passiert sogar das Gegenteil: Du reizt das Gewebe und hältst die Beschwerden am Laufen.
Bei echten Nervenschmerzen: lieber nicht wild dehnen
Wenn deine Beschwerden wirklich von einem gereizten Nerv kommen, dann mögen diese Nerven es meistens nicht besonders, wenn du ständig an ihnen ziehst oder auf ihnen herumdrückst.
Das betrifft vor allem:
- starke Dehnungen der Oberschenkelrückseite
- Dehnungen der Oberschenkelvorderseite, wenn sie die Symptome provozieren
- aggressives Ausrollen von Gesäß oder Oberschenkel
Wenn du merkst, dass solche Maßnahmen deine Ischias Schmerzen verstärken, dann lass sie erstmal weg.
Wichtig ist aber auch: Nicht alles ist pauschal verboten. Wenn sich eine Dehnung oder das Ausrollen für dich kurzfristig gut anfühlt und die Beschwerden danach nicht zunehmen, kannst du das natürlich zur vorübergehenden Erleichterung nutzen. Entscheidend ist immer die Reaktion danach, nicht nur der Moment selbst.
Welche Bewegungen du bei Ischias besser erstmal meidest
Vermeiden solltest du vor allem das, was deine typischen Beschwerden zuverlässig schlimmer macht.
Dazu können gehören:
- Dehnungen, die den Schmerz weiter ins Bein schicken
- Bewegungen, die den Nerv stark auf Spannung bringen
- intensives Bearbeiten mit Faszienrolle oder Ball, wenn du danach mehr Symptome hast
Das heißt nicht, dass diese Bewegungen für immer tabu sind. Es heißt nur: Im gereizten Zustand nicht zusätzlich provozieren.
Kann man Ischias Schmerzen vorbeugen?
Ja, bis zu einem gewissen Grad schon. Du kannst das Risiko positiv beeinflussen, indem du typische Risikofaktoren reduzierst.
- Rauchen aufhören
- Übergewicht abbauen
Das sind keine spektakulären Geheimtipps, aber genau solche Basics machen langfristig oft den Unterschied.
Woran du erkennst, dass du auf dem richtigen Weg bist
Bei Ischias Schmerzen ist nicht immer entscheidend, dass sofort alles weg ist. Oft sind kleine Veränderungen schon ein gutes Signal:
- Die Ausstrahlung zieht sich Stück für Stück zurück.
- Der Schmerz ist weniger scharf oder brennend.
- Alltagsbewegungen werden wieder leichter.
- Du kannst wieder etwas normaler gehen oder sitzen.
Genau auf solche Veränderungen solltest du achten. Denn sie zeigen dir, ob eine Übung oder ein Bewegungsansatz für dich gerade sinnvoll ist.
Fazit: Bei Ischias zählt nicht die perfekte Übung, sondern die richtige Reaktion
Ischias Schmerzen sind unangenehm, keine Frage. Aber sie bedeuten nicht automatisch etwas Dramatisches. Häufig steckt eine Reizung von Nerven im unteren Rücken dahinter, oft im Zusammenhang mit einer Bandscheibenvorwölbung oder einem Bandscheibenvorfall. Die Prognose ist dabei in vielen Fällen sehr gut.
Die drei Übungen aus diesem Beitrag können dir helfen:
- Platz schaffen für die Nerven
- Ausstrahlende Beschwerden zurückdrängen
- den Nerv sanft mobilisieren
Entscheidend ist, dass du testest, welche Bewegung deine Ischias Beschwerden wirklich positiv beeinflusst. Nicht mit Gewalt, nicht nach Schema F, sondern mit einem klaren Blick auf das, was dein Körper dir zurückmeldet.
Und wenn eine Bewegung gut funktioniert, dann darf sie ruhig simpel sein. Genau das ist oft der beste Weg.

Tom Nestler
Tom ist Physiotherapeut, Personaltrainer und GLA:D®-Arthrosetherapeut
Er unterstützt Menschen mit Schmerzen zurück in die Aktivität zu kommen und fitter zu werden.
Wie geht es weiter?
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