Krücken richtig gehen: So nutzt du Unterarmstützen sicher(Gehen & Treppe)

Kategorie: Schmerztipps

Wer nach einer Operation, Verletzung oder bei starken Beschwerden mit Unterarmstützen unterwegs ist, merkt schnell: Krücken richtig gehen ist gar nicht so selbstverständlich. Oft sind die Stützen falsch eingestellt, das Gangbild wird unsicher und spätestens auf der Treppe entsteht Stress.

Damit dir das nicht passiert, zeige ich dir hier die wichtigsten Grundlagen im Umgang mit Krücken: von der richtigen Höhe über das Aufstehen und Hinsetzen bis hin zum 3-Punkte-Gang, 2-Punkte-Gang, sicheren Drehen und Treppensteigen. Wenn du diese Basics sauber umsetzt, gehst du sicherer, aufrechter und gewöhnst dir weniger Fehlhaltungen an.

Inhaltsverzeichnis

Die richtige Höhe der Unterarmstützen einstellen

Bevor du überhaupt losgehst, sollten deine Stützen korrekt eingestellt sein. Das ist die Basis, wenn du mit Krücken richtig gehen möchtest.

Stell dich dafür aufrecht hin. Wenn du unsicher bist, such dir eine stabile Möglichkeit zum Festhalten. In dieser aufrechten Position sollten die Griffe der Unterarmstützen etwa auf Höhe deiner Handgelenke sein.

Person demonstriert die Höhe der Unterarmstütze im Sitzen, Griffbereich sichtbar

Passt die Höhe nicht, setz dich wieder hin und verstell die Stützen über den Druckknopf. Dazu drückst du den Knopf nach innen, drehst die Stütze leicht, sodass der Knopf verschwindet, und kannst die Krücke dann kürzer oder länger einstellen. Anschließend lässt du den Druckknopf wieder sauber einrasten und prüfst, ob beide Stützen sicher und gleichmäßig auf dem Boden stehen.

Warum die richtige Höhe so wichtig ist

  • Zu niedrig eingestellt: Du stehst krumm, beugst dich zu weit nach vorn und das Gehen wird anstrengender. Zusätzlich können Beschwerden im Rücken- oder Nackenbereich entstehen.
  • Zu hoch eingestellt: Deine Schultern wandern Richtung Ohren. Auch das erschwert das Gehen und kann auf Dauer Probleme verursachen.
  • Optimal eingestellt: Du stehst aufrecht, die Schultern bleiben entspannt und die Griffe sitzen auf Höhe der Handgelenke.

Allein dieser Punkt macht oft schon einen riesigen Unterschied. Wer Krücken richtig gehen will, sollte hier nicht nach Gefühl arbeiten, sondern wirklich sauber einstellen.

Mit Unterarmstützen richtig aufstehen und hinsetzen

Auch das Aufstehen und Hinsetzen sollte mit System ablaufen, besonders wenn ein Bein betroffen oder operiert ist.

Zum Aufstehen gehst du in eine leichte Schrittstellung. Das betroffene oder operierte Bein steht vorne, das gesunde Bein hinten. Über das hintere, gesunde Bein verlagerst du gleich dein Gewicht und drückst dich in den Stand.

Wichtig dabei: Dreh die Griffe der Unterarmstützen nach innen, bevor du dich hochdrückst. So kannst du dich besser abstützen und entlastest auf Dauer deine Schultern.

Griffhöhe und Standposition bei Unterarmstützen für korrektes Aufstehen und Hinsetzen

Der Ablauf sieht so aus:

  1. Betroffenes Bein nach vorne stellen.
  2. Gesundes Bein nach hinten setzen.
  3. Griffe der Stützen nach innen drehen.
  4. Gewicht auf das hinten stehende gesunde Bein verlagern.
  5. In den Stand hochdrücken.

Beim Hinsetzen läuft es im Prinzip genauso, nur andersherum. Das betroffene Bein bleibt vorne, das Gewicht geht wieder über das hinten stehende gesunde Bein, die Griffe sind nach innen gedreht und du setzt dich langsam und kontrolliert auf den Stuhl.

Der 3-Punkte-Gang: die sichere Variante nach OP oder bei Teilbelastung

Wenn du frisch operiert bist, nur teilbelasten darfst oder stärkere Beschwerden hast, ist der 3-Punkte-Gang meist die richtige Wahl. Er gibt dir viel Stabilität und sorgt für ein kontrolliertes Gehen.

Die Ausgangsposition ist einfach: Beide Füße stehen nebeneinander, die Stützen seitlich daneben.

Dann gehst du Schritt für Schritt so vor:

  1. Gewicht auf das gesunde Bein verlagern.
  2. Beide Stützen gleichzeitig nach vorne setzen.
  3. Das betroffene Bein nachziehen und mittig zwischen den Stützen aufsetzen.
  4. Danach das gesunde Bein ebenfalls nachziehen und wieder mittig abstellen.

Teilbelastung oder keine Belastung: der Unterschied

Wenn du eine Teilbelastung hast, solltest du mit dem betroffenen Fuß möglichst eine kleine Abrollbewegung machen. Das hilft, dir kein Hinken anzugewöhnen.

Wenn du das Bein gar nicht belasten darfst, bleibt es eher bei einem flüchtigen Sohlenkontakt oder nur einem sehr leichten Aufsetzen, während das Bein zwischen die Stützen geführt wird.

3-Punkte-Gang mit Durchschwingen

Eine etwas dynamischere Variante ist der 3-Punkte-Gang mit Durchschwingen des gesunden Beins. Dabei setzt du wieder zuerst beide Stützen nach vorne, ziehst das betroffene Bein nach und schwingst dann das gesunde Bein weiter nach vorne durch.

Diese Variante kann sinnvoll sein, wenn du sicherer geworden bist und zügiger vorankommen möchtest, aber noch nicht beim normalen Gangbild angekommen bist.

Teilbelastung mit der Waage üben

Viele haben anfangs kein gutes Gefühl dafür, wie viel Belastung eigentlich erlaubt ist. Gerade bei einer Teilbelastung kann eine Waage sehr hilfreich sein.

Stell die Waage in die Mitte und die beiden Stützen daneben. Dann stellst du dein betroffenes oder operiertes Bein auf die Waage und übst, wie sich die vorgegebene Kilogrammzahl anfühlt. So bekommst du ein besseres Gespür für den erlaubten Druck.

Person mit Unterarmstützen in Bewegung beim Üben der Teilbelastung mit Waage

Wenn das statisch gut klappt, kannst du das Ganze auch in Bewegung üben und in dein Gehen übertragen. Das ist eine einfache Möglichkeit, Sicherheit in der Teilbelastung aufzubauen.

Sicher mit Krücken drehen statt hektisch wenden

Ein Punkt, der oft unterschätzt wird: das Drehen. Gerade beim Abbiegen oder Wenden passieren schnell unsaubere Bewegungen.

Mach hier bitte keine großen, hektischen Drehungen. Sicherer ist es, mit kleinen Schritten nach links oder rechts zu drehen. So bleibst du stabil und vermeidest ungünstige Belastungen. Wie vorsichtig du dabei sein musst, hängt natürlich auch davon ab, was genau gemacht wurde und welche Beschwerden du hast.

Treppensteigen mit Krücken: die wichtigste Eselsbrücke

Beim Treppensteigen hilft ein einfacher Merksatz:

Gesund geht es bergauf, krank geht es bergab.

Wenn du dir diesen Satz merkst, bist du schon einen großen Schritt weiter. Gerade auf der Treppe ist sauberes Vorgehen entscheidend, wenn du Krücken richtig gehen und sicher einsetzen willst.

Treppe hochgehen

Stehst du vor der Treppe und willst nach oben, geht zuerst das gesunde Bein auf die nächste Stufe. Danach folgen die Unterarmstützen und das betroffene Bein.

  1. Gesundes Bein steigt zuerst auf die nächste Stufe.
  2. Dann folgen die Stützen.
  3. Anschließend kommt das betroffene Bein nach.
Unterarmstützen auf der Treppe abstellen und stabil hochsteigen

Du drückst dich also über das gesunde Bein nach oben. Wenn ein Handlauf vorhanden ist, nutze ihn unbedingt. Das gibt dir deutlich mehr Stabilität.

Falls du den Handlauf verwendest, hältst du ihn mit einer Hand fest. In der anderen Hand nimmst du beide Stützen zusammen. Dazu drehst du eine Stütze waagerecht und klemmst sie unter die Finger, während du die andere normal festhältst. So kannst du beide Stützen sicher mitnehmen.

Treppe runtergehen

Nach unten läuft es genau umgekehrt. Du startest oben auf der Stufe und setzt zuerst die Unterarmstützen auf die darunterliegende Stufe. Danach folgt das betroffene oder operierte Bein. Anschließend kommt das gesunde Bein nach.

  1. Stützen auf die tiefere Stufe setzen.
  2. Betroffenes Bein nach unten führen.
  3. Gesundes Bein nachziehen.
Person geht mit Unterarmstützen eine Treppe hinunter: Stützen zuerst auf die tiefere Stufe setzen

Auch hier gilt: Wenn ein Handlauf da ist, nutz ihn. Das betroffene Bein geht beim Abstieg immer zuerst nach unten.

Der 2-Punkte-Gang: der nächste Schritt zurück zum normalen Gehen

Wenn deine Reha weiter fortgeschritten ist und keine Teilbelastung mehr nötig ist, kannst du auf den 2-Punkte-Gang wechseln. Dieser ähnelt dem normalen Gangmuster deutlich mehr und du kommst damit schneller voran.

Das Prinzip ist einfach: Eine Stütze und das gegenüberliegende Bein gehen gleichzeitig nach vorne. Danach verlagerst du das Gewicht und ziehst die andere Seite nach.

Also zum Beispiel:

  • rechte Stütze und linkes Bein zusammen nach vorne
  • dann linke Stütze und rechtes Bein zusammen nach vorne
2-Punkte-Gang mit Unterarmstützen: Stütze und gegenüberliegendes Bein bewegen sich gemeinsam

Damit trainierst du dir die Unterarmstützen nach und nach wieder ab. Das Gangbild wird flüssiger und natürlicher.

Stützen zum Ausschleichen anders halten

Wenn du die Krücken weiter reduzieren willst, kannst du die Unterarmgehstützen so drehen, dass der Griff zu dir zeigt und du ihn eher mit den Fingern hältst. Dann gehst du den 2-Punkte-Gang wie beschrieben weiter. Das ist ein Zwischenschritt, um dich langsam von den Stützen zu lösen.

Gehen mit nur einer Krücke

Der nächste Schritt ist der Gang mit nur noch einer Unterarmgehstütze. Dabei nutzt du die Stütze auf der gegenüberliegenden Seite des betroffenen oder operierten Beins.

Die Stütze wird gleichzeitig mit dem betroffenen Bein nach vorne gesetzt. Danach führst du den normalen Gang aus.

Person geht mit einer Unterarmgehstütze im 2-Punkte-Gang und setzt die Stütze nach vorne

Das hat mehrere Vorteile:

  • Das betroffene Bein wird weiterhin etwas entlastet.
  • Du kannst aufrechter gehen.
  • Du kommst wieder näher an ein normales Gangmuster heran.

Wenn das sauber und sicher funktioniert, kannst du schließlich ganz ohne Stützen gehen.

Die häufigsten Grundregeln auf einen Blick

Wenn du dir beim Thema Krücken richtig gehen nur ein paar Dinge merken willst, dann diese:

  • Griffe auf Höhe der Handgelenke einstellen.
  • Schultern entspannt lassen und aufrecht stehen.
  • Zum Aufstehen und Hinsetzen das betroffene Bein vorne lassen.
  • Beim 3-Punkte-Gang beide Stützen zusammen nach vorne setzen.
  • Teilbelastung bewusst üben, zum Beispiel mit einer Waage.
  • Beim Drehen kleine Schritte machen.
  • Auf der Treppe gilt: gesund hoch, krank runter.
  • Später auf den 2-Punkte-Gang und dann auf eine Stütze wechseln.

Fazit

Krücken richtig gehen bedeutet nicht einfach nur, sich irgendwie mit zwei Stützen fortzubewegen. Die richtige Höhe, ein passendes Gangmuster, kontrolliertes Aufstehen, sicheres Drehen und ein klarer Ablauf auf der Treppe machen den entscheidenden Unterschied.

Wenn du diese Techniken sauber umsetzt, gehst du sicherer, schonst Rücken und Schultern und findest leichter zurück zu einem normalen Gangbild. Genau darum geht es: nicht nur irgendwie von A nach B zu kommen, sondern die Unterarmstützen sinnvoll zu nutzen und sie Schritt für Schritt wieder loszuwerden.

Tom Nestler

Tom ist Physiotherapeut, Personaltrainer und GLA:D®-Arthrosetherapeut
Er unterstützt Menschen mit Schmerzen zurück in die Aktivität zu kommen und fitter zu werden.

Wie geht es weiter?

Schau dir jetzt weitere Artikel an und erfahre wie du dir selbst helfen kannst.

Plantarfaszie dehnen: Warum das bei Fersenschmerzen allein nicht reicht

Wenn du Fersenschmerzen, einen Fersensporn oder eine Plantarfasziitis hast, wird dir fast immer derselbe Tipp

Artikel lesen

Wadenheben reicht NICHT, um wieder schmerzfrei gehen & joggen zu können!

Bei Achillessehnenschmerzen wird fast immer Wadenheben empfohlen. Die Übung ist auch nicht schlecht. Ich habe sie selbst

Artikel lesen

4 Phasen Programm löst Schulterschmerzen beim Arm über Kopf heben!

Schulterschmerzen beim Arm über Kopf heben können richtig nervig sein. Egal, ob du etwas aus dem

Artikel lesen