4 Phasen Programm löst Schulterschmerzen beim Arm über Kopf heben!
Kategorie: Schulter
Schulterschmerzen beim Arm über Kopf heben können richtig nervig sein. Egal, ob du etwas aus dem Schrank holen, eine Jacke anziehen, trainieren oder einfach den Arm seitlich anheben möchtest: Sobald die Bewegung schmerzt, wird sie häufig gemieden.
Genau hier liegt aber oft ein Problem. Wer die Schulter dauerhaft schont, verliert mit der Zeit noch mehr Beweglichkeit, Kraft und Vertrauen in die Bewegung. Angepasste Bewegung und dosierte Belastung sind dagegen wichtige Bausteine, wenn deine Schulter langfristig wieder belastbarer werden soll.
Dieses Programm führt dich deshalb nicht direkt zu schweren Überkopfübungen. Es beginnt mit kleinen Veränderungen und sanften Bewegungen und steigert sich Schritt für Schritt bis hin zu belasteten Armbewegungen über Kopf.
Wichtig: Die Übungen sind zur Selbsthilfe gedacht und ersetzen keine ärztliche Untersuchung oder individuelle physiotherapeutische Beratung. Falls du frisch operiert wurdest, halte dich unbedingt an die Vorgaben deines Arztes oder deines Physiotherapeuten.
Inhaltsverzeichnis
- Erster Quickfix
- Zweiter Quickfix
- Vorbereitungen Schulter-Programm
- Phase 1 Sanfte Schulterbewegungen
- Phase 2 Schulterblattkontrolle & Halteübungen
- Phase 3 Schulterkraft weiter ausbauen
- Phase 4 Überkopfbewegungen weiter steigern
- Weitere Hinweise zum Programm
- Ankündigung
- Outro
Erster Quickfix
Der erste kleine Test bei Schulterschmerzen beim Arm über Kopf heben: Drehe den Daumen beim Anheben nach oben.
Viele empfinden das Anheben dadurch als leichter oder weniger schmerzhaft. Die veränderte Armposition kann die Belastung auf aktuell empfindliche Muskeln, Sehnen oder andere gereizte Strukturen verändern. Dadurch kann die Schulter mit derselben Bewegung manchmal besser zurechtkommen.

Das ist kein Test, den du mit Gewalt bestehen musst. Wenn sich diese Variante nicht besser anfühlt, dann zwinge deine Schulter nicht in diese Position. Sie ist lediglich eine Möglichkeit, die Bewegung verträglicher zu gestalten.
Zweiter Quickfix
Der zweite Quickfix betrifft die Bewegungsrichtung. Hebe den Arm nicht komplett seitlich am Körper hoch, sondern ungefähr 30 Grad nach vorne versetzt. Diese Ebene wird häufig auch als leicht nach vorne geführte Abspreizbewegung empfunden.
Bei Schulterschmerzen beim Arm über Kopf heben kann diese kleine Veränderung dazu führen, dass andere Strukturen belastet werden und die Bewegung besser tolerierbar wird. Du kannst sie direkt mit dem ersten Tipp kombinieren:
- Arm etwa 30 Grad nach vorne versetzt anheben
- Daumen nach oben drehen
- Langsam und kontrolliert bewegen
- Nur in einen Bereich gehen, den du gut tolerierst

Wenn einer oder beide Tipps deine Schulterschmerzen beim Arm über Kopf heben direkt etwas reduzieren, ist das ein guter Einstieg. Danach geht es darum, die Schulter nicht nur zu schonen, sondern sie systematisch wieder aufzubauen.
Vorbereitungen Schulter-Programm
Viele Menschen mit Schulterschmerzen vermeiden jede Bewegung, weil sie weiteren Schaden befürchten. Gerade bei einer empfindlichen Schulter ist es jedoch entscheidend, wieder Vertrauen in Bewegung aufzubauen und die Belastung passend zu dosieren.
Nutze die Schmerzskala
Orientiere dich während der Übungen an einer Skala von 0 bis 10:
- 0 bedeutet keine Schmerzen.
- 10 steht für den stärkstmöglichen vorstellbaren Schmerz.
- Bleibe bei den Übungen möglichst unter 5 von 10.
Entscheidend ist nicht nur, wie sich die Übung im Moment anfühlt. Prüfe auch die Reaktion deiner Schulter in den folgenden 24 Stunden. Es sollte danach keine drastische Schmerzverstärkung auftreten.
Kommt es ohne zusätzliche Alltagsbelastung, etwa durch Gartenarbeit oder andere ungewohnte Aktivitäten, zu einer deutlichen Verschlechterung, passe die Übung an. Dafür hast du mehrere Stellschrauben:
- Wähle eine leichtere Übungsvariante.
- Reduziere die Wiederholungen.
- Mache weniger Durchgänge.
- Verringere das Gewicht oder den Bandwiderstand.
- Steigere erst wieder, wenn sich die Schulter beruhigt hat.

Das Programm besteht aus vier Phasen. Du startest dort, wo deine Schulter aktuell belastbar ist, nicht dort, wo du gerne sofort sein möchtest.
Phase 1 Sanfte Schulterbewegungen
In der ersten Phase geht es darum, Bewegung wieder angenehm und kontrollierbar zu machen. Bei Schulterschmerzen beim Arm über Kopf heben ist das häufig die Grundlage, bevor gezieltes Krafttraining sinnvoll wird.
Brustwirbelsäule mobilisieren
Die Schulter arbeitet nicht isoliert. Eine gute Beweglichkeit der Brustwirbelsäule kann das Armheben unterstützen.
Du hast zwei einfache Möglichkeiten:
- Mit einer Faszienrolle in Rückenlage: Lege die Rolle unter den oberen Rücken, verschränke die Arme vor dem Brustkorb und bewege dich sanft zwischen Beugung und Streckung des oberen Rückens.
- An einer Stuhllehne: Setze dich an eine Lehne, lehne den oberen Rücken kontrolliert nach hinten und runde ihn anschließend wieder ein.
Führe die Mobilisation für etwa 30 bis 90 Sekunden durch.
Schultergürtel anheben und kreisen
Hebe die Schultern an und kreise sie langsam. Hier bewegst du noch nicht gezielt das Schultergelenk, bringst aber Bewegung in die umliegenden Strukturen des Schultergürtels. Mache etwa 10 bis 20 Wiederholungen.
Pendeln für die empfindliche Schulter
Das Pendeln ist ein sanfter Einstieg. Stütze dich zum Beispiel mit der nicht betroffenen Seite an einem Stuhl ab, lasse den betroffenen Arm locker nach unten hängen und bewege ihn vor und zurück, seitlich oder diagonal.
Wenn du es gut tolerierst, kannst du ein leichtes Zusatzgewicht in die Hand nehmen. Pendle für 30 bis 60 Sekunden. Entscheidend ist, dass die Schulter nicht aktiv festhält, sondern die Bewegung locker entstehen darf.

Unterstützte Schulterbewegung im Stand
Lege deine Hand auf eine Stuhllehne oder auf einen Stab. Über die Bewegung deines Oberkörpers führst du die Schulter nach oben. Dadurch muss die Schulter anfangs weniger aktiv arbeiten.
Führe je nach Verträglichkeit 8 bis 20 Wiederholungen aus.
Schulterheben in Rückenlage mit Stab oder Handtuch
In Rückenlage wirkt die Schwerkraft weniger stark auf die Schulter. Das macht die Bewegung bei Schulterschmerzen beim Arm über Kopf heben häufig leichter als im Stand.
Nimm einen Stab oder ein Handtuch in beide Hände. Die weniger empfindliche Seite unterstützt die betroffene Seite beim Anheben. Mache 10 bis 20 Wiederholungen.
Unterstütztes Armheben mit Widerstandsband
Befestige ein Widerstandsband oberhalb von dir. Die nicht betroffene Seite zieht das Band langsam nach unten. Die betroffene Seite wird durch die Vorspannung des Bandes kontrolliert nach oben unterstützt.
Führe den Arm auch hier gern etwa 30 Grad nach vorne versetzt nach oben. Mache 6 bis 15 Wiederholungen.
Phase 2 Schulterblattkontrolle & Halteübungen
In Phase 2 kommen Kontrolle und isometrische Belastung dazu. Das Ziel ist, die Muskulatur rund um Schulterblatt und Schultergelenk gezielt einzubeziehen, ohne sofort viel Bewegung oder Gewicht zu verlangen.
Schulterblattkontrolle
Diese Übung funktioniert im Stand oder in Rückenlage. Lasse die Arme gestreckt und ziehe die Schulterblätter zunächst sanft nach hinten zusammen, als wolltest du einen Stift zwischen ihnen einklemmen.
Danach schiebst du die gestreckten Arme nach vorne. Die Schulterblätter bewegen sich dabei auseinander. Sobald das sicher funktioniert, kannst du die Übung in Rückenlage mit Gewicht oder im Stand mit einem Widerstandsband steigern.
Halteübungen für die Rotatorenmanschette
Die Rotatorenmanschette stabilisiert den Oberarmkopf im Schultergelenk und ist an allen Armbewegungen beteiligt. Für die Halteübungen kannst du einen Türrahmen nutzen.
Beuge den Ellenbogen etwa 90 Grad und klemme ein Handtuch zwischen Oberarm und Körper. So bleibt der Arm eng am Rumpf und die Bewegung kommt aus der Schulterrotation, nicht aus einem seitlichen Wegheben des Arms.
- Außenrotation: Drücke mit dem Handrücken gegen den Türrahmen nach außen.
- Innenrotation: Drücke mit der Handinnenfläche gegen den Türrahmen nach innen.
- Abspreizbewegung: Drücke seitlich gegen einen Widerstand.
- Nach vorne und hinten drücken: Ergänze die Halteübungen durch Druckbewegungen in beide Richtungen.

Halte jede Position für etwa 10 bis 45 Sekunden, so fest wie es unterhalb deiner tolerierbaren Schmerzgrenze möglich ist.
A und T Halteübungen in Bauchlage
Lege dich auf den Bauch und platziere bei Bedarf ein Handtuch unter der Stirn.
- A Position: Die Arme liegen neben dem Körper, leicht abgespreizt.
- T Position: Die Arme sind etwa 90 Grad seitlich abgespreizt.
Prüfe, welche Position aktuell gut tolerierbar ist. Halte sie für 15 bis 45 Sekunden und trainiere zwei bis drei Mal pro Woche.
Mobilisationsübungen und Halteübungen sind ein guter Anfang. Ein häufiger Fehler besteht aber darin, dauerhaft nur bei diesen sehr leichten Varianten zu bleiben. Um Schulterschmerzen beim Arm über Kopf heben langfristig besser in den Griff zu bekommen, muss die Belastung nach und nach weiter steigen.
Phase 3 Schulterkraft weiter ausbauen
Jetzt wird die Schulter dynamischer belastet. Phase 3 bereitet sie gezielter auf Alltagsbewegungen und später auch auf Überkopfbewegungen vor.
Außenrotation und Innenrotation mit Band
Trainiere Außenrotation und Innenrotation im Stand mit einem leichten Widerstandsband. Nutze weiterhin gern ein Handtuch zwischen Körper und Ellenbogen.
Starte mit einem leichten Band und steigere den Widerstand über die Zeit. Mache 8 bis 15 Wiederholungen, zwei bis drei Durchgänge und trainiere zwei bis drei Mal pro Woche. Zwischen den Einheiten sollten ein bis zwei Tage Pause liegen, damit die Schulter Zeit zur Erholung hat.
Armheben ohne Gewicht
Bahne nun die Bewegungen wieder an, die anfangs Schmerzen gemacht haben:
- Arm nach vorne oben heben
- Arm seitlich abspreizen
- Arm nach oben schieben
Arbeite langsam gegen die Schwerkraft und mache etwa 5 bis 12 Wiederholungen. Bei Schulterschmerzen beim Arm über Kopf heben kannst du weiterhin mit dem Daumen nach oben und der leicht nach vorne versetzten Ebene arbeiten.
Rudern mit Band oder TRX
Rudern trainiert wichtige Muskeln der Schulter und rund um das Schulterblatt. Ziehübungen werden oft besser toleriert als Drückübungen, weshalb sie ein sinnvoller nächster Schritt sind.
Du kannst mit einem Widerstandsband rudern oder schräg am TRX arbeiten. Passe die Schwierigkeit über den Bandwiderstand oder deinen Körperwinkel an.
A und T Übungen dynamisch
Die A und T Positionen aus Phase 2 werden jetzt dynamisch. Hebe und senke die Arme in Bauchlage kontrolliert. Mache 8 bis 15 Wiederholungen, zwei bis drei Mal pro Woche.
Wenn das mit dem eigenen Armgewicht gut funktioniert, kannst du kleine Gewichtsscheiben oder mit Wasser gefüllte Flaschen nutzen. Das Gewicht sollte so gewählt sein, dass du die Bewegung sauber und kontrolliert ausführen kannst.
Brustdrücken in Rückenlage
Führe eine Drückbewegung mit Widerstandsband oder leichtem Gewicht in Rückenlage aus. Falls diese Position noch zu viele Beschwerden erzeugt, versuche eine Brücke. Der veränderte Schulterwinkel kann die Übung für manche angenehmer machen.
Seitliches Armheben in Seitenlage
Lege dich auf die Seite und hebe den oberen Arm mit leichtem Gewicht seitlich an. Durch den geringeren Einfluss der Schwerkraft im Vergleich zum Stand kannst du die Muskulatur auf das spätere Armheben vorbereiten.
Führe 6 bis 15 Wiederholungen aus, zwei bis drei Mal pro Woche. Die Belastung bleibt weiterhin an deiner individuellen Toleranz orientiert.
Phase 4 Überkopfbewegungen weiter steigern
Wenn die Schulter beweglicher, stärker und belastbarer ist und die Schmerzen gut kontrollierbar bleiben, folgt die spezifische Vorbereitung auf Überkopfbewegungen. Bei Schulterschmerzen beim Arm über Kopf heben ist diese Phase wichtig, denn genau diese Bewegung soll wieder belastbar werden.
Armheben mit Widerstandsband
Hebe den Arm seitlich und nach vorne oben mit einem leichten Widerstandsband. Diesmal erzeugt das Band mehr Belastung als in den vorherigen Phasen.
Bewege dich kontrolliert und absolviere 5 bis 15 Wiederholungen, zwei bis drei Mal pro Woche.
Armheben mit Gewicht
Nimm leichte Gewichte in die Hände. Drehe die Daumen nach oben und hebe die Arme ungefähr 30 Grad nach vorne versetzt über den Kopf. Diese Variante kann bei Schulterschmerzen beim Arm über Kopf heben ein guter Zwischenschritt sein, bevor du komplett seitlich arbeitest.

Überkopfdrücken mit Gewicht
Strecke den Arm im Stand mit einem leichten Gewicht nach oben. Die Überkopfbewegung wird nun bewusst mit Zusatzgewicht trainiert, um die Schulter in diesem Bereich belastbarer zu machen.
Mache 5 bis 15 Wiederholungen und trainiere zwei bis drei Mal pro Woche.
Seitheben mit Gewicht
Zum Abschluss hebst du die Arme mit Gewicht seitlich an. Wenn komplett seitliches Anheben noch Beschwerden macht, beginne wieder etwa 30 Grad nach vorne versetzt.
Starte zunächst bis ungefähr 90 Grad. Später kannst du die Bewegung weiter über Kopf ausführen, sofern deine Schulter sie gut toleriert. So steigerst du Schulterschmerzen beim Arm über Kopf heben nicht unnötig, sondern arbeitest dich kontrolliert in die Zielbewegung hinein.
Weitere Hinweise zum Programm
Das Programm ist von leicht nach schwer aufgebaut. Du musst nicht jede einzelne Übung aus jeder Phase machen. Wähle stattdessen zwei bis drei Übungen aus, die zu deinem aktuellen Stand passen und gut tolerierbar sind.
Der Ablauf kann so aussehen:
- Starte mit der Phase, die du aktuell verträgst.
- Wähle zwei bis drei passende Übungen.
- Halte dich an Wiederholungen, Pausen und Schmerzreaktion.
- Beobachte, wie sich die Schulter bis 24 Stunden nach dem Training verhält.
- Steigere erst, wenn die Übungen ein bis zwei Wochen ohne starke Schmerzverstärkung funktionieren oder sich der Schmerz wieder auf sein Ausgangsniveau einpendelt.
Die Vorgaben sind keine starren Regeln. Manche brauchen länger in einer Phase, andere können schneller weitergehen. Entscheidend ist nicht, wie schnell du vorankommst, sondern ob du die Belastung so steuerst, dass die Schulter nach und nach wieder mehr toleriert.
Schulterschmerzen beim Arm über Kopf heben werden nicht zuverlässig besser, wenn du ausschließlich mobilisierst. Gleichzeitig musst du aber auch nicht direkt schwer über Kopf trainieren. Der sinnvolle Weg liegt zwischen diesen Extremen: Bewegung wieder zulassen, Kraft aufbauen und Belastung schrittweise steigern.

Tom Nestler
Tom ist Physiotherapeut, Personaltrainer und GLA:D®-Arthrosetherapeut
Er unterstützt Menschen mit Schmerzen zurück in die Aktivität zu kommen und fitter zu werden.
Wie geht es weiter?
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